Merkblatt: Pflege Wegeseitenränder
Wegeseitenränder werden immer wichtiger für den Erhalt der Artenvielfalt in unserer intensiv genutz-ten Kulturlandschaft. Sie bieten Lebensraum für Wildkräuter und -gräser sowie Nahrung, Wohn- und Schutzraum für Insekten, Vögel und Kleinsäuger. Raine durchziehen unsere Landschaft wie ein großes Netz und können so die notwendige Verbindung zwischen den Lebensräumen unserer Pflanzen- und Tierwelt herstellen. Ihre Gesamtfläche stellt, theoretisch jedenfalls, das größte Naturschutzgebiet Deutschlands dar. Die Raine bieten auch den Menschen mit ihrem vielfältigen Grünen, Blühen und Summen das naheliegendste Gebiet für Naturerleben und Naturbeobachtung.
Damit die Wegraine diesen Aufgaben gerecht werden, müssen sie 1. erhalten bzw. wiederhergestellt werden und braucht es 2. eine angemessene Pflege. Diese ist im besten Fall an die örtliche Bodenbeschaffenheit und die davon bestimmte Vegetation angepasst. Hier allgemeine Pflegehinweise, deren Beachtung nicht allzu aufwändig ist, aber die Lebensbedingungen für Rainpflanzen und Kleintiere deutlich verbessert:
Grundsätzlich:
Kein Spritzen, kein Düngen, kein unnötiges Befahren!
Brache: Ziel ist das Gedeihen der örtlichen Wildpflanzen und Kleintiere. Dazu braucht es Flächen, auf denen sich diese ungestört entwickeln können. Das heißt, mindestens zu einem Drittel sollten die Raine brachliegen und nur alle drei Jahre gemäht werden (Distelbestände vorm Blühen köpfen).
Mähen:
Wie oft und wann?
In der Regel sollte die Mahd spät im Jahr (Ende Sept./Anfang Okt.) erfolgen, damit sich die Pflanzen- und Tierwelt im Verlauf der Vegetationsperiode möglichst ungestört entwickeln kann. Streifen als Überwinterungsmöglichkeit stehen lassen.
Ein zusätzlicher früherer Mähtermin kann nach der Vogelbrut und dem Aussamen der Blühkräuter erfolgen, also Mitte Juli (nicht früher auf den hiesigen leichten Böden). Dies kann zu einer für Insekten günstigen Nachblüte führen.
Zur Schonung von Bienen u.a. : vor 8 oder nach 18 Uhr mähen bzw. an bedeckten, kühlen Tagen.
Wo?
Nie gleichzeitig beide Seitenränder und nicht durchgängig mähen, sondern am besten:
- Abschnitte von 30 – 200 m bilden, ein Drittel Mitte Juli und Sept./Okt. mähen, ein Drittel im Sept./Okt., ein Drittel alle drei Jahre („Mosaik-Pflege“);
- gegenüberliegende Wegränder zu unterschiedlichen Zeitpunkten mähen;
- im Herbst nur einen Teil der Rainbreite mähen und den restlichen Streifen stehen lassen (Überwin-terungsgelegenheiten).
Wie?
Das heute übliche Mulchen ist für die Lebewesen im Rainstreifen tödlich. Und das liegenbleibende Mähgut führt zu einer Nährstoffanreicherung, die zu einer Verdrängung vieler Blühkräuter führt.
Daher ist es sinnvoll, mit dem Balkenmäher zu mähen. Optimal ist es, das Mähgut öfter abzuräumen; in dem Fall das Mähgut ein paar Tage liegen lassen, damit die darin lebenden Insekten herauskrab-beln und die Pflanzen aussamen können.
Die Angaben dieses Merkblatts beruhen auf den Ergebnissen des Projekts „Naturschutzgemäße Pflege von gemeindeeige-nen Wegrainen“ des Landkreises Uelzen (www.landkreis-uelzen.de/wegrainprojekt), dem Flyer „Blühende Raine“ des Nds. Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (www.nlwkn.de) und der Broschüre „Wegränder. Bedeutung, Schutz, Pflege“ hrsg. Auswertungs- u. Informationsdienst für Ernährung, Landwirtschaft u. Forsten (aid e.V.) www.aid-online.de